Als erstes möchte ich klarstellen, dass ich meinen Umzug nach Kapstadt nicht als Auswandern empfinde. Ich habe mich immer als Weltbürger gefühlt, war aber als Unternehmer an Berlin gebunden. Nach dem Verkauf meiner Firma war ich frei, mein Privatleben neu zu organisieren. Ich bin in den 30 Jahren als Berliner immer zwischen Kalifornien, New York, Austin und Berlin hin und her gependelt. Deswegen wollte ich eigentlich nach Ende der beruflichen Karriere ein schönes Haus in San Francisco, meiner zweiten Heimat und großen Liebe, kaufen. Aber meine Frau wollte nicht nach Amerika. “Wenn wir wegziehen, dann irgendwo hin, wo es für uns beide neu ist, nicht in Deine zweite Heimat”.
Wir haben dann versucht, eine Liste aufzustellen, was erwarten wir von einem neuen Wohnort. Dabei ist etwa folgendes herausgekommen:
- besseres Wetter / Klima
- Meer
- spannende Landschaft und Natur
- Englisch als Landessprache
- keine Vermögenssteuer und erträgliche Steuern auf Kapitalerträge
- möglichst geringe Zeitverschiebung gegenüber Deutschland
So haben wir mit dieser Liste im Gepäck in den letzten Jahren unsere Urlaube als Erkundungsmissionen gestaltet. 2016 waren wir dann in Kapstadt und waren sofort fasziniert von dieser Stadt. Mit Kindern gibt es nur ein paar Zeitpunkte, zu denen man einen solchen Schritt machen kann. Mitte 2017 wäre unsere Tochter mit dem Abi fertig und der Sohn noch jung genug, um sich umzugewöhnen. Unsere Kinder sind komplett zweisprachig aufgewachsen und auch in Berlin in eine englischsprachige Schule gegangen. So entstand der Plan, Mitte 2017 nach Kapstadt umzuziehen.
Wir haben dann hier ein fantastisches Haus gefunden, mit Blick auf den berühmten Tafelberg. Ich habe 6 Monate umgebaut, um das Haus und den Garten nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Wir sind nun komplett unabhängig von der kommunalen Versorgung mit Strom und Wasser. Unser Solardach liefert Strom für 4 Einfamilienhäuser und ein Flüsschen im Garten versorgt uns mit Wasser in Mineralwasser Qualität. Die Lebensqualität in Kapstadt ist sehr hoch. Lebensmittel in dieser Frische und Qualität sind in Deutschland schwer zu beschaffen. Das gilt auch für Restaurants, dagegen ist Berlin kulinarische Wüste.
Von unserem Haus sind wir in 20 Minuten in der Innenstadt, in 30 Minuten an unterschiedlichen Stränden und in 10 Minuten zwischen Weinbergen.
Kriminalität ist her sicherlich ein Problem, aber das ist in Chicago, New York oder auch Berlin nicht anders. Ich habe in Berlin finanziell einen größeren Aufwand für Wachschutz und Sicherheit treiben müssen als hier.
Wenn ich zurückblicke bereue ich die Entscheidung keineswegs. Uns fehlen unsere Freunde und Familie sehr. Moderne Telekommunikation und gute Flugverbindungen machen es aber einfach, in Kontakt zu bleiben. Wir haben reichlich Platz für Gäste und so trifft man sich nicht alle paar Wochen Abends zum Essen, sondern hat seine Freunde mal für 2 Wochen.
Ich denke neben der Idee, noch einmal ein großes Abenteuer zu erleben, war auch eine Menge Frust über Deutschland und vor allem Berlin unsere Motivation. Als Unternehmer habe ich mich in Berlin immer unwohl gefühlt. Unternehmern wird immer unterschwellig unterstellt, sie hinterziehen Steuern, bestechen die Beamten, beuten Mitarbeiter aus. Wenn die Beamten der Steuerbehörde eine Woche vor meinem Haus im Auto mit der Kamera warten, um meine Putzfrau zu fotografieren, denn die Firmenputzfrau putzt bestimmt auch bei mir zuhause, das ist unerträglich. Wenn mir das 10te Mal in einem Jahr der Spiegel abgefahren wird und ich parke mit einem Bein auf dem Grünstreifen, um das zu verhindern, dann kommt das Ordnungsamt täglich und gibt mir ein Ticket. Die 15.000 Euro pro Jahr für Spiegel, Kratzer an den Türen, geklaute Scheinwerfer (Porsche Xenon Scheinwerfer eignen sich großartig für die Hanfplantage im Keller), dafür gibt es nur ein Schulterzucken und den Spruch, kaufen sie sich ein anderes Auto, dann passiert das nicht.
Heute Mittag saßen wir beim Essen auf einer Terrasse mit Blick auf den Atlantik. In etwas Entfernung konnte man eine Gruppe Wale sehen. Das Essen war lecker und der südafrikanische Wein köstlich.
Herzliche Grüße aus Kapstadt,
Zappa